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Archiv der Blogeinträge von: Tobias Barth

Mrz 16
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Natur

Vor dem Schneesturm ist nach dem Schneesturm: Blizzard in Manitoba 1

Laverendrye Avenue ist nach dem Blizzard gerade breit genug für den Schulbus; Claudia Grill

Laverendrye Avenue ist gerade breit genug für den Schulbus, Foto: Claudia Grill

Text und Bilder: Claudia Grill

Während in großen Teilen Europas langsam Frühlingsstimmung einkehrt, stellen sich die Leute im Norden Manitobas auf ein paar weitere Wintermonate ein und machen sich daran, die Spuren des letzten großen Schneesturms zu beseitigen. Die Auswanderin Claudia Grill hat diesen Blizzard vor Ort miterlebt.

Als Environment Canada Anfang März eine Blizzard-Warnung herausbringt, denken sich die meisten BewohnerInnen von Churchill, Manitoba nicht viel. Es ist bereits die fünfte solche offizielle Ankündigung seit Dezember, völlig normal in der Stadt der Eisbären. Kaum jemand rechnet damit, dass sich der vorausgesagte Sturm zu einem Jahrhundertereignis auswachsen wird. Noch vor wenigen Wochen wurde nach einer ebensolchen Warnung gescherzt, wo denn bitte Wind und Schnee blieben. Nun ist die Stadt unter Schneemassen begraben, wie man sie seit über fünfzig Jahren nicht gesehen hat.

Schneeverwehungen ziehen sich über ganze Straßenzüge, Foto: Claudia Grill

Schneeverwehungen ziehen sich über ganze Straßenzüge, Foto: Claudia Grill

Die Sicht reicht nicht einmal bis zur anderen Straßenseite; Claudia Grill

Die Sicht reicht nicht einmal bis zur anderen Straßenseite, Foto: Claudia Grill

In Churchill – v.a. bekannt als „Polar Bear Capital of the World“ – ist man lange, harte Winter gewöhnt. Alljährlich stellt man sich hier auf Temperaturen unter minus 45 Grad, gefrierende Wasserleitungen, nicht starten wollende Autos und Wetterkapriolen ein. Eine Warnung vor einem Blizzard – d.h.  Windstärken von über 40km/h und weniger als 400 Meter Sichtweite über mehr als sechs Stunden – versetzt in Churchill also niemanden in Aufregung. Diesmal wird allerdings nach und nach klar, dass dieser Sturm kein gewöhnlicher ist. Er bauscht sich innerhalb eines Tages auf bis zu 130km/h auf und bringt die Stadt zum Stillstand. Neben der Schule und allen anderen öffentlichen Einrichtungen schließt auch der Supermarkt. Der Zug, der morgens aus Winnipeg ankommt und abends wieder zurückfahren soll, bleibt in der Station (und steht dort heute noch); der Flugverkehr ist sowieso ausgesetzt. Die Stadtverwaltung rät allen BewohnerInnen, ihre Häuser und Wohnungen nicht zu verlassen. Lediglich die Notaufnahme des örtlichen Spitals ist in Betrieb.

Häuser sind teilweise ganz unter den Schneemassen begraben; Claudia Grill

Häuser sind teilweise ganz unter den Schneemassen begraben, Foto: Claudia Grill

"Caribou Hall" unter den Schneemassen, Foto: Claudia Grill

„Caribou Hall“ unter den Schneemassen, Foto: Claudia Grill

Nach einigen Stunden haben sich Schneeverwehungen gebildet, die das Passieren der meisten Straßen und Wege unmöglich machen. Über 56 Stunden dauert der Schneesturm; danach sind einige Personen in ihren Häusern eingeschlossen und die Schneeberge höher als viele Gebäude. In manchen Haushalten werden Nahrungsmittel knapp und teilweise geben Heizungen den Geist auf. Einige mutige Frauen und Männer machen sich auf den Weg um NachbarInnen mit Lebensmitteln zu versorgen. Im Schneesturm verliert man schnell die Orientierung, deshalb werden Seile zwischen Häusern gespannt; so kann man sich etwas besser zurechtfinden.

Trotz allem hatten die BewohnerInnen von Churchill Glück im Unglück: die Stromversorgung blieb intakt und niemand wurde ernsthaft verletzt. Viele können sich noch an den letzten großen Schneesturm von 1999 erinnern. Damals brach das Stromnetz zusammen und die EinwohnerInnen mussten sich in den Town Complex, der mit Generatoren betrieben werden kann, begeben.

Aufräumarbeiten; der Schnee ist teilweise hart wie Beton, Foto: Claudia Grill

Aufräumarbeiten; der Schnee ist teilweise hart wie Beton, Foto: Claudia Grill

Aufräumarbeiten. Der Schnee ist vom Wind zusammengepresst hart wie Beton; Claudia Grill

Aufräumarbeiten; der hartgepackte Schnee ist einige Meter hoch, Foto: Claudia Grill

Unter dem Schnee befindet sich eine der Seitengassen

Unter dem Schnee befindet sich eine der Seitengassen, Foto: Claudia Grill

Nach über drei Tagen kehrt wieder Leben in Churchill ein. Insgesamt fielen rund achtzig Zentimeter Schnee – nicht besonders viel, möchte man sagen. Der starke Wind hat den Schnee aber aufgetürmt und zusammengepresst, die meterhohen Schneeverwehungen sind hart wie Beton. Dieser Tage herrscht großer Gemeinschaftssinn und wer kann, hilft mit: Hauseingänge werden freigeschaufelt, Fahrzeuge ausgebuddelt, Straßen geräumt, Schäden begutachtet. Die Bediensteten der Stadt sind rund um die Uhr mit Baggern und Lastwägen im Einsatz. Es wurde ein lokaler Ausnahmezustand ausgerufen, alle verfügbaren Ressourcen wurden mobilisiert Der Supermarkt ist wieder offen, aufgrund des fehlenden Nachschubs gibt es jedoch in der ganzen Stadt keine Milch, kein Brot und kein frisches Gemüse mehr. Auch rund eine Woche nach dem Spektakel sind noch nicht alle Wege wieder befahrbar, noch nicht alle Leitungen repariert, nicht alle Gebäude vollständig vom Schnee befreit. Dennoch herrscht großteils gute Laune in der Stadt: Wer in der „Welthauptstadt der Eisbären“ leben kann, für den/die ist auch ein Jahrhundert-Blizzard kein Problem.

Mrz 12
Themen
Natur

Es gibt sie noch, die Bisons… Tobi’s Roadtrip Teil 2 0

9 Uhr, Fort Nelson, bewölkter Himmel – Teil 2 des Roadtrips beginnt. Ziel unbekannt.
Schon kurz nach Fort Nelson die erste Werbeanzeige für Bisons auf dem Highway… da sind wir aber mal gespannt.
Bei meiner letzten Fahrt auf dem Alaska Highway hatte ich tatsächlich welche gesehen. Ob dies heute auch der Fall sein wird?

Lange Strecken auf dem Alaska Highway

Lange Strecken auf dem Alaska Highway

Vorsicht Bison - Hinweisschild auf dem Alaska Highway

Vorsicht Bison – Hinweisschild auf dem Alaska Highway

Der Highway ist frei. Anfangs noch etwas mit Schnee und Eis bedeckt, aber dies wurde nach und nach besser. Wie immer zu dieser Jahreszeit sind nicht sonderlich viele Autos unterwegs. Jedoch einige sehr schnell fahrende LKWs. Klar, wir in Whitehorse brauchen ja schließlich was zu essen :-).

Den ersten Pass (Passhoehe 1070 Meter) erreiche ich nach knapp einer Stunde. Die Sonne kämpft sich nach und nach durch die Wolken und sorgt dafür, dass dieser Tag ein ganz besonderer wird. Von hier oben hat man einen wunderbaren Ausblick auf die nordlichen Rocky Mountains.

Die nördlichen Rocky Mountains

Die nördlichen Rocky Mountains

Nach über zwei Stunden noch keine Bisons in Sicht, jedoch bin ich an Pferden auf der Koppel und an Wildpferden vorbeigefahren. Aber das war es dann auch schon. Zwischendurch macht sich eine Raben-Gang auf dem Highway breit, jedoch verschwinden die aus Sicherheitsgründen wenige Bruchteile von Sekunden, ehe ich diese passiere. Die Landschaften sind gigantisch. Der Teil des Alaska Highways, genau der von Fort Nelson nach Muncho Lake Provincial Park und noch weiter, ist einer der schönsten Abschnitte der 1942 erbauten Verbindung zwischen Dawson Creek (BC) und Delta Junction (AK).

Wundervolle Landschaften entlang des Alaska Highways

Wundervolle Landschaften entlang des Alaska Highways

Muncho Lake

Muncho Lake

Wundervolle Landschaften entlang des Alaska Highways

Wundervolle Landschaften entlang des Alaska Highways

Nach über 3,5 Stunden und zahlreichen Stopps, haben sich die in großer Anzahl existierenden Bisons immer noch nicht gezeigt. Überall große Hinweisschilder, riesen große Werbebanner für diese wunderbaren Tiere. Jedoch scheinen diese mit anderen Dingen beschäftigt zu sein, als sich am Straßenrand den noch nicht auf der Straße fahrenden Touristen zu zeigen.

Die Werbetrommel für die Bisons wird fleissig gerührt...

Die Werbetrommel für die Bisons wird fleissig gerührt…

Hinweisschild auf Bisons auf dem Alaska Highway

Hinweisschild auf Bisons auf dem Alaska Highway

Doch dann ist es soweit. Wenige Kilometer vor den Liard Hot Springs liegen einige der Tiere im Schnee und graben darunter nach etwas Gras. Sieht in der Sonne und der Liegeposition sehr gechillt aus. Ein Bus mit einer Gruppe junger Menschen aus Singapur , wie sich später herausstellt, hält nur wenige Minuten nach mir an der selben Stelle an. Endlich! Die Freude ist groß, da die Bisons zu den Tieren gehören, die ich sehr gerne beobachte.

Bisons beim chillen

Bisons beim chillen

Was für ein tolles Tier - Das Bison

Was für ein tolles Tier – Das Bison

Nach einigen Minuten ist der Bison-Hype dann vorbei und es geht weiter in Richtung Liard Hot Springs. Diese heissen Quellen sind aus meiner Sicht eine der absolut schönsten Hot Springs in Kanada. Ein 700 Meter langer Holzsteeg führt über ein Moor hinweg zu diesen naturbelassenen Quellen. Dort angekommen stellt sich mir schnell die Frage, wie ich bei – 20°C mich von meinen warmen Klamotten trennen, in die Badehose schlüpfen und dann ins Wasser gehen kann… Ist das kalt! So schnell war selten so viel ausgezogen und ich im warmen Wasser. Die Liard Hot Springs haben an der Quelle ca. 65°C. Bei einem Besuch im Sommer vor einigen Jahren konnte man nicht näher als 5-7 Meter an diese Quelle heran, da es einfach zu heiss war. Heute befinden sich einige Menschen inklusive mir keine 2 Meter davon weg. Es ist warm, sagen wir heiss, aber bei der Lufttemperatur ist das auch das Beste, was einem passieren kann. Ich unterhalte mich mit einigen der Badegäste, praktisch allen. Unter anderem kommt auch die Singapur-Gruppe, die eine solche heisse Quelle noch niemals gesehen haben, weder im Winter noch im Sommer. Zumindest muss man bei dem Geräuschpegel davon ausgehen.

Liard Hot Springs - die schönsten heissen Quellen in Kanada

Liard Hot Springs – die schönsten heissen Quellen in Kanada

Liard Hot Springs

Liard Hot Springs

Nach knapp 2 Stunden mache ich mich völlig aufgeweicht auf den Weg aus dem Wasser. Stopp! Was jetzt? Nass aus dem Wasser? Die Haare sind aufgrund der Kälte bereits weiss wie Schnee, was erwartet mich jetzt da draussen? So schnell wie ich ausgezogen war, bin ich abgetrocknet und angezogen. Den schwefeligen Geruch an meinem Körper nehme ich in Kauf, der darf bis zur nächsten Dusche bei mir bleiben.

Der Weg zu den Liard Hot Springs

Der Weg zu den Liard Hot Springs

Die Fahrt geht weiter Richtung Watson Lake. Nochmals ca 2,5 Stunden und 220 Kilometer bis zu einer möglichen Übernachtungs-Location. Noch immer sind wir im Bison-Gebiet. Sehe ich etwa noch mehr? Tatsächlich. Mehrmals halte ich an, bestaune und fotografiere die Tiere.

Kleine Herde Bisons am Straßenrand

Kleine Herde Bisons am Straßenrand

Wood Bison

Wood Bison

Dann kommt etwas, wovon jeder Tierfreund träumt. Eine Herde Bisons, ca. 120 Tiere nach meiner Zählung, sucht sich etwas zu essen am Straßenrand. Ich bin mitten drin (statt nur dabei). Wie bereits vor einigen Jahren stehen die Tiere keine zwei Meter von mir weg. Gemütlich schauen diese zu mir auf, lassen sich jedoch nicht beirren auf ihrer Suche nach etwas essbarem. Einige der großen Bisons kreuzen die Straße; ist das Gras auf der anderern Seite vielleicht grüner und schmackhafter?

Bisons am Alaska Highway

Bisons am Alaska Highway

Beeindruckendes Tier - Ein Bison am Straßenrand

Beeindruckendes Tier – Ein Bison am Straßenrand

Auf der weiteren Fahrt Richtung Watson Lake sehe ich immer wieder einzelne und kleinere Gruppen von Bisons. Unglaublich, wie viele Tiere es hier hat.
Um 6 Uhr am Abend erreiche ich Watson Lake. Was war da gleich nochmals? Richtig! Der berühmte Schilderwald, der Sign Post Forest. 1942 wurde dieser Schilderwald mehr oder weniger von einem GI der Amerikanischen Streitkräfte während des Baus des Alaska Highways. Er hatte die Aufgabe, einen bestehenden Wegweiser zu reparieren. Stattdessen bzw zusätzlich befestigte er an dem Wegweiser ein Schild, welches in seine Heimatstadt, Danville (Illinois) zeigte. Viele andere Menschen taten es ihm gleich und heute sind mehr als 100.000 Schilder aus der ganzen Welt in diesem Schilderpark zu sehen.

Sign Post Forst Watson Lake - Ein Schilderpark

Sign Post Forst Watson Lake – Ein Schilderpark

Schilderpark in Watson Lake - über 100.000 Schilder sind dort zu sehen

Schilderpark in Watson Lake – über 100.000 Schilder sind dort zu sehen

In Watson Lake, bereits wieder im Yukon angekommen, gönnte ich mir ein leckeres Abendessen. Dabei fiel die Entscheidung, die überbleibenden 465 Kilometer nach Whitehorse doch noch zu fahren. Die Dämmerung in vollem Gange hielt mich davon nicht ab. Der Highway war nahezu eisfrei auf diesem Teilabschnitt, was das Fahren einfacher machte. Jedoch musste ich auf straßenkreuzende Wildtiere aufpassen, wie beispielsweise die 2 Rehe, die sich mitten auf der Straße nicht entscheiden konnten, wohin ihr weg sie führen sollte. Das Schauspiel dauerte zwei Minuten, dann ging es weiter.

Nach wiederum ca. 1000 Kilometer Fahrt am zweiten und letzten Tag des Roadtrips, war ich dann gegen 11 Uhr in der Nacht zuhause in Whitehorse. Dieser zweite Tag war um ein vielfaches spannender, schöner und erlebnisreicher als Tag 1. Ich bin so unheimlich dankbar, dass ich das alles miterleben kann und darf. Es macht einen so unheimlich glücklich, diese Landschaften, Tiere, Naturschauspiele und Menschen zu sehen und kennenzulernen.

Mrz 11
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Reisen

Tobi’s Roadtrip von Edmonton nach Whitehorse – Tag 1 0

Tobi hat seinen Truck übernommen und wird ihn nun in zwei Etappen von Edmonton nach Whitehorse überführen in seine neue Heimat. Hier sein Bericht vom ersten Tag.

Gestern Morgen, Freitag ging’s los. 2000 Kilometer von Edmonton in Richtung Whitehorse, und das bei angekündigtem Sturm und Schneefall. Aber ich werde in Whitehorse erwartet. Sturm und leichter Schneefall in Edmonton, was wird noch kommen? Aber der Anfang war problemlos. Nach viereinhalb Stunden und 460 Kilometer zurückgelegter Strecke erreichte ich mit Grande Prairie eine Stadt, die es nur wegen der dort lagernden Öl- und Gasvorkommen gibt.

Tobi's Roadtrip von Edmonton nach Whitehorse - Tag 1

Der Grund meines Roadtrips von Edmonton nach Whitehorse, mein neuer Truck. Foto: Tobias Barth

Noch keine Anzeichen eines Blizzards, Gott sei Dank. Gegen 15.30 Uhr Mittagessen und ich entschied mich, weiter nach Dawson Creek zu fahren. Auf halber Strecke musste die Aufmerksamkeit wieder ein paar Stufen hochgedreht werden, der bis dahin zweigeteilte Highway wird zusammengeführt, es herrscht Gegenverkehr.

Tobi's Roadtrip von Edmonton nach Whitehorse - Tag 1

Die Meile O auf dem Alaska Highway. Foto: Tobias Barth

In Dawson Creek ließ ich mir es nicht nehmen, kurz die „Meile 0“ des Alaska Highways zu besuchen. Der Highway, der im Weltkriegsjahr 1942 in Rekordzeit von Dawson Creek (BC) bis Delta Junction (Alaska) gebaut wurde, feiert in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag. Es gibt also noch viele Jubiläen neben dem 150. Geburtstag Kanadas.
Ach ja, auf dem Alaska Highway kommt man immer heim, man kann sich kaum verfahren, denn es gibt auf der ganzen Strecke nur zwei Abbiegungen. Bei 1492 Kilometern Gesamtlänge dann etwas komisch anmutend. Aber die Distanzen in Kanada können sehr lang sein.

Tobi's Roadtrip von Edmonton nach Whitehorse - Tag 1

Das nächste Mal abbiegen in 393 Kilometern :-) Foto Tobias Barth

Alleine auf dem Highway, schlechtes Wetter, nicht wirklich tolle Sicht, nicht ein Tier neben der Straße, was also tun? Ich habe mich in Dawson Creek entschieden nach Fort St. John weiterzufahren, 130 Kilometer. Dort angekommen, hatte sich die Wetter- und Sichtlage nicht geändert, also nach Fort Nelson, weitere 465 Kilometer. Um 23.10 Uhr heute Nacht bin ich dort angekommen, 1150 Kilometer sind geschafft. Leider mit nur wenigen Impressionen für euch.

Tobi's Roadtrip von Edmonton nach Whitehorse - Tag 1

Nur wenig los auf dem Highway. Foto: Tobias Barth

Jetzt gut ausschlafen, dann kommt einer der schönsten Abschnitte des Alaska Highways. Northern BC, von Fort Nelson geht’s in Richtung Muncho Lake Provincial Park. Dann Liard Hot Springs und Watson Lake, das sind für mich dann die Höhepunkte des Roadtrips. Wir hören uns.

Tobi's Roadtrip von Edmonton nach Whitehorse - Tag 1

Entfernungen in Kanada. Foto: Tobias Barth

Wer hat von Euch schon den Alaska Highway befahren? Wer war bereits in den beschrieben Städten? Wenn es Fragen gibt, lasst es mich wissen. Euer Tobi.

Mrz 10
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Reisen

Ein 2000 Kilometer Roadtrip von Edmonton nach Whitehorse 0

Tobis Abenteuer mit seinem neuen Pickup

Wer im Yukon zu Hause ist muss mobil sein. Und so habe ich mich die letzten Tage an den Rechner gesetzt und nach einem erschwinglichen Pickup Ausschau gehalten.
In Edmonton bin ich dann fündig geworden, habe meinen neuen gebrauchten GMC Sierra 1500 in Empfang genommen, noch ein paar Reparaturen erledigen lassen und nun geht’s wieder in Richtung Heimat Whitehorse.

Ein 2000 Kilometer Roadtrip von Edmonton nach Whitehorse

Tobis Roadtrip von Edmonton nach Whitehorse. Screenshot Google Maps.

Über 2000 Kilometer wird mich die Reise führen. Dabei werde ich Grande Prairie, Alberta, Dawson Creek, BC und andere Orte streifen und mich von dort melden. Ihr dürft also gespannt sein, denn der Wetterbericht meldet Schnee und Stürme. Bis bald.

Die neun spannendsten Fragen an …… Musher Olaf Thurau 0

Der gelebte Traum „Abenteuer Yukon“ mit Frau und 35 Schlittenhunden 

Die neun spannendensten Fragen an …… Musher Olaf Thurau nach dem Quest300

Musher Olaf Thurau mit seiner Frau Diana, die Hunde sind ihr Lebensmittelpunkt. Foto: Tobias Barth

Olaf Thurau und seine Frau Diana wohnen seit sieben Jahren ungefähr 50 Kilometer von Whitehorse entfernt in den Weiten des Yukon. Bereits in Deutschland besaßen die beiden neun Siberian Huskies. In Kanada angekommen kamen nach und nach weitere Hunde, überwiegend Siberian und Alaskan Huskies dazu. Nebenbei entwickelte sich Olaf Thurau zum Musher. Inzwischen halten die beiden, ursprünglich aus Bremerhaven kommend, 35 Tiere auf ihrer kleinen Hundefarm.

Die neun spannendensten Fragen an …… Musher Olaf Thurau nach dem Quest300

Hunde und Musher müssen ein gutes, in sich verwachsenes Team sein, um die Herausforderungen eines Quests bestehen zu können. Foto: Tobias Barth

Der heute 53-jährige hat als Musher viel von Sebastian Schnuelle, dem Yukon-Quest Sieger 2009 und Zweitplatzierten beim Iditarod im selben Jahr, gelernt. Ein Hundeschlittenrennen selbst stellt an Mensch und Tier höchste Ansprüche. Die Herausforderungen auf dem Trail sind groß, die Versorgung von Mensch und Tier muss selbst bei Temperatur von minus 50 Grad und tiefer gewährleistet sein. Problem mit Hunden muss der Musher an Ort und Stelle behandeln und wenn möglich beseitigen. Insgesamt sind Rennen in der polaren Region ein Hobby mit Risiken. Deshalb ist es wichtig, schon vor den Rennen wichtige Informationen zu erhalten.

Die neun spannendensten Fragen an …… Musher Olaf Thurau nach dem Quest300

In jedem Winkel der Hundefarm spürt man die innige Zuneigung zwischen Mensch und Tier. Foto: Tobias Barth

Olaf selbst fährt mehrere kleine Hundeschlittenrennen im Jahr. Der Quest300 ist für ihn das Highlight der Saison. Der Quest300 hat eine Distanz von 300 Meilen, der YukonQuest 1000. Der Quest300 startet jährlich wechselnd in Whitehorse/Yukon oder in Fairbanks/Alaska. Beim Quest300 sind zwölf Hunde angespannt, beim YukonQuest 14. Der Musher nahm 2013 zum ersten Mal am Q300 teil. Drei weitere folgten 2015, 2016 und nun in diesem Jahr. Die tiefste Temperatur, die er während des Trails gemessen hat, lag 2015 bei minus 52 Grad Celsius.

Die neun spannendensten Fragen an …… Musher Olaf Thurau nach dem Quest300

Olaf Thurau lebt den Traum von Freiheit im Yukon, gemeinsam mit seiner Frau und seinen Hunden. Foto: Tobias Barth

Tobias von Faszination Kanada hat Olaf Thurau nach dem Quest300 interviewt.

Frage: Wie würdest Du Deine Teilnahme beim diesjährigen Quest 300 bewerten?

Olaf: Aus meiner Sicht habe ich das mir selbst gesteckte Ziel beim diesjährigen Quest300 nicht erreicht. Wir gingen in diesem Jahr mit jungen Hunden an den Start. Wir hatten es uns zum Ziel gesetzt, den Hunden viel beizubringen und gemeinsam mit ihnen soweit wie möglich zu kommen. Leider haben wir es nur bis zum ersten Checkpoint geschafft, da sich ein Hund verletzt hat. Im Großen und Ganzen muss ich sagen: Ziel verfehlt.

F: Mit welchen Zielen geht man in ein solches Rennen?

A: Es gibt unterschiedliche Ziele, jeder Musher verfolgt ein anderes. Die meisten gehen nicht an den Start um zu gewinnen. Viele nutzen den Q300, um junge Hunde zu trainieren, um sie an Rennen heranzuführen. Es kommt immer darauf an, was man bei den einzelnen Rennen erreichen möchte. Mein Ziel war möglichst weit zu kommen und den jungen Hunden möglichst viel beizubringen. Am besten das volle Team über die Ziellinie zu bringen. Nur das ist leider nur sehr selten möglich.

F: Hast Du schon mal beim YukonQuest mitgemacht beziehungsweise ist der Quest mit seinen 1000 Meilen ein Ziel für Dich?

A: Nein, bisher bin ich beim YukonQuest noch nicht an den Start gegangen. Das Ziel ist es aber, den Quest zu fahren. Bisher waren weder das Hundeteam noch ich so weit, den Quest mitzufahren. Inzwischen sind wir so weit, dass wir daran denken können. Jedoch sind, bevor an einen Start zu denken ist, einige persönliche und gesundheitliche Herausforderungen zu meistern.

F: Wie sieht die Vorbereitung für Mensch und Tier aus und wie lange muss man sich vorbereiten, um solche einen Trail zu meistern?

A: Die Vorbereitungen sehen immer gleich aus, egal ob für ein kleines, lokales Rennen oder den Q300 oder gar den YukonQuest. Im Sommer versuchen wir so oft wie möglich die Hunde frei laufen zu lassen, raus aus dem Zwinger. Je nach Temperatur versuchen wir, zwei bis dreimal in der Woche ein kurzes Training durchzuziehen. Temperaturen über fünf Grad sind jedoch zum Rennen nicht mehr geeignet. Ideal sind Temperaturen zwischen minus 15 und minus 20 Grad. Wichtig ist, dass die Hunde viel in Bewegung bleiben, damit Herz und Lunge aktiv sind und die Hunde die Kondition nicht verlieren. Teilweise rennen wir im Spätsommer in der Nacht, wenn die Temperaturen stark fallen, meist abends nach der Arbeit. Die Hunde laufen in der Nacht auch besser als tagsüber. Im Sommer spannen wir die Hunde vor ein Quad. Die Hunde müssen dabei auch gegen die Motorbremse ziehen, da das Quad im Leerlauf zu ziehen für sie viel zu leicht wäre. Teilweise müssen wir auch im Winter auf das Quad zurückgreifen, da wir hier in sehr trockenen Regionen sind und in den letzten Jahren oft wenig Schnee lag.

F: Welche Hunderassen spannst Du vor das Quad oder den Schlitten?       

A: Im Großen und Ganzen halten wir reinrassige Siberian und Alaskan Huskies. Der Alaskan Husky ist leider nicht als eigene reinrassige Hunderasse anerkannt, sie ist auf Schnelligkeit, Leistung und Ausdauer getrimmt. Die Alaskans sind die schnellsten Hunde für Langstrecken, bei Sprints werden oftmals für Hundeschlittenrennen trainierte Jagdhunde eingesetzt.

Die neun spannendensten Fragen an …… Musher Olaf Thurau

Ein Blick zum Dahinschmelzen, geht auch bei Schlittenhunden, die harte Arbeit gewohnt sind. Foto: Tobias Barth

F: Was fressen die Hunde während dem Rennen?

A: Fleisch, Fleisch und Fett. Huhn, Schwein und Rind. Viel Fett wegen der Kalorien, die die Hunde während eines Rennens verbrauchen, bis zu 15.000 pro Tag. Allerdings bekommen die Hunde das Fett nicht während des Rennens, da es zu sehr im Magen liegt und die Hunde belasten würde. Bei den Checkpoints bekommen die Hunde warmes Futter. Teilweise füttern wir sogenannte „Wet-Snacks“, eingeweichtes Hundefutter, das im Schnee ausgelegt wird. Mit dem Futter nehmen die Hunde dann auch Flüssigkeit durch den Schnee auf. Als Snack gibt es auch hin und wieder Bacon-Röllchen. Man lernt bei jedem Rennen dazu, denn wir Musher schauen uns gegenseitig auf den „Teller“.

F: Wie lange kann man einen Hund für solche harten Rennen einsetzen? Wann heißt es für das Tier Abschied zu nehmen vom Hundeschlitten?

A: Man kann die Hunde bereits mit einem Jahr einsetzen. Mental fit für größere Rennen sind die Hunde mit zweieinhalb, drei Jahren. Dann halten sie die Herausforderungen auch durch. Mit acht Jahren geht es dann in den wohlverdienten Hunderuhestand. Allerdings gibt es Tiere, die laufen auch noch mit zehn Jahren noch mit großer Freude, und es gibt Hunde die haben schon früher keine Lust mehr. Ist wie beim Menschen, jeder Hund ist anders.

F: Wie sieht die Verpflegung und die Bekleidung des Mushers aus?

A: Im Checkpoint isst man das, was angeboten wird. Auf den Trails etwas, was man im Wasserbad für das Hundefutter schnell warm machen kann. Ich nehme Bockwurst, Nudeln und anderes, was gut zu vakumieren ist. Ich esse dann immer nebenbei, während ich meine Hunde füttere. Als Musher auf dem Trail hast du immer Hunger und du nimmst selbst bei kurzen Rennen einiges ab.

Bei der Kleidung ziehe ich alles an, was warmhält. Wichtig ist nur, dass man direkt etwas auf der Haut trägt, das den Schweiß wegtransportier, das ist lebenswichtig. Man schwitzt als Musher auch bei minus 40 Grad und wenn man die Oberjacke auszieht, ist sie innen total gefroren, man kann dann den Schweiß als Eis abschütteln. Bei der Oberbekleidung kommen High-End Synthetik und Daunen zum Einsatz. Bei den Socken Wolle, die wärmt auch im nassen Zustand. Ausziehen, auswringen, wieder anziehen, passt.
Ein großes Problem ist, die Hände, die Finger warm zu halten. Ich ziehe große, dicke Fäustlinge an. Wenn es zu kalt ist, nutze ich auch noch Handwärmer. Oberstes Gebot ist, die Hände dürfe nie nass werden. Bei jeder Pause, wenn nach den Hunden geschaut wird, werden die Handschuhe gewechselt, die Hände abgetrocknet. Gott sei Dank hatte ich bisher nur leichte Kälteverbrennungen an den Fingerspitzen und der Nasenspitze. Von größeren Gefrierbränden blieb ich bisher verschont.

F: Wie sieht der Alltag auf Deiner Hundefarm aus? Wie oft werden die Hunde bewegt? Was machen die Hunde, wenn es im Sommer sehr warm ist?

A: Nach dem Aufstehen machen wir die Zwinger und die Hundehütten sauber. Dann erst frühstücken wir und machen uns auf zur Arbeit. Nach dem Feierabend füttern wir die Hunde und machen nochmals sauber. Dann lassen wir die Hunde, wenn es möglich ist, frei laufen. Am Ende des Tages gehe ich nochmals durch die Zwinger und jeder Hund erhält eine Streicheleinheit. An den Wochenenden werden die Hunde angespannt, je nach Wetterlage. Im Sommer weniger, im Winter mehr.              

Vielen Dank für das interessante Interview, herzlichen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt. Wir wünschen euch weiterhin viel Spaß und Erfolg mit euren großartigen, wunderschönen Hunden.

Info

Olaf Thurau und seine Diana leben in der Wildnis des Yukons auf einem kleinen Grundstück in einer Cabin ohne Stromanschluss. Direkt am Haus sind in einem großen ‚Zwinger‘ die Hunde untergebracht. Beide verdienen die Brötchen für ihr tolles, anspruchsvolles Hobby in der Hauptstadt des Yukons, in Whitehorse.

Hier findet ihr mehr Informationen zum Thema:

http://www.yukonquest.com/about

http://www.yukonquest.info/_musher_thurau.shtml

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