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Jun 16
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Trekking auf den Pfaden der Inuit … und 007 lässt grüßen 3

Gipfelstürmer (c) Tourism Nunavut

Gipfelstürmer (c) Tourism Nunavut

von Michaela Arnold

Was haben moderne Tourengeher mit den Ureinwohnern Nunavuts, Led Zeppelin und James Bond gemeinsam? Na, die Begeisterung für das Trekking-Eldorado Auyuittuq National Park auf Baffin Island – ist doch klar! Und die Götter der Wikinger sind irgendwie auch noch mit im Spiel…

Hoch oben im Norden Nunavuts auf Baffin Island liegt der Auyuittuq National Park, wo gigantische Gletscher und polares Eis auf zerklüftete Granitfelswände treffen und die schroffe Landschaft der Arktis in ihrer schönsten Form zu bewundern ist. Der Park beheimatet die höchsten Gipfel des Kanadischen Schildes, die zum Teil mehr als 2000 Meter senkrecht in die Höhe aufsteigen.

Für Outdoor-Fans eröffnet sich hier ein wahres Trekking-Eldorado. Allen voran begeistert der Akshayuk Pass, ein traditioneller Reisekorridor, der seit Jahrtausenden von den Inuit zur Durchquerung des Gebietes genutzt wird. Der Pass liegt in einem ehemaligen Flussbett und erstreckt sich im Südosten der Penny-Eiskappe unterhalb der Gletscherzone über fast 100 Kilometer. Erfahrene Wanderer bezeichnen ihn als einen der spektakulärsten Trekking-Pfade unseres Planeten.

In nördlicher Richtung starten die Touren zum Akshayuk Pass in der gemütlichen Inuit-Siedlung Pangnirtung im Südosten der Baffin Island. Allein die Bootsfahrt durch den Pangnirtung Fjord zum 30 Kilometer entfernten Eingang der Schlucht verspricht viel Abwechslung – stehen doch die Chancen nicht schlecht, schwimmende Eisberge, arktische Meeresbewohner, oder sogar einen Eisbären zu entdecken.

Mit der Begehung des Akshayuk Pass zeigt sich den Wanderern eine arktische Landschaft, die spektakulärer nicht sein könnte. Riesige, steile und vielfältig gefärbte Felswände markieren die Strecke, die entlang verschneiter Gebirgskämme und senkrecht zum Himmel zeigender Berggipfel führt. Die Route wird gesäumt von zahlreichen mit Geröll übersäten Gletscherzungen und aufgeworfenen Endmoränen, Wasserfällen und kristallklaren Seen, darunter der Summit Lake – höchster Punkt des Passes und Auffangbecken von Gletscherwasser, das im Sommer blaugrün leuchtet und oft noch von schwimmendem Eis bedeckt ist. Von weitem ist die beeindruckende „Penny Ice Cap“ zu erblicken, die größte Eiskappe der Baffin Island.

Unter der „Beobachtung“ der Wikingergötter windet sich der Pass durch die Landschaft, denn viele der beeindruckenden Berggipfel haben ihre Namen aus der nordischen Mythologie erhalten. Der Mount Thor wurde nach dem „Gott des Donners“ benannt und begeistert mit der höchsten mindestens senkrechten Steilwand der Welt. Sie misst 1250 Meter und weist einen Durchschnittswinkel von 105 Grad auf.

Inspiration pur, nicht nur für Sportler: Die britische Band Led Zeppelin zeigt den Berg in ihrem Konzert-Film „The Song Remains the Same“ aus dem Jahr 1973 in einer Traumsequenz, während das Lied „No Quarter“ spielt, das vom nordischen Gott Thor handelt.

Auch der Mount Asgard, nach dem Wohnort der nordgermanischen Götter benannt, hat die Medienszene inspiriert: Im Juli 1976 diente er als Drehort für die Eröffnungsszene des James Bond-Films „Der Spion, der mich liebte“. Rick Sylvester, das Stuntdouble von Hauptdarsteller Roger Moore, springt in dieser Szene mit Skiern von einer Bergklippe in die Tiefe, um im freien Fall einen Fallschirm zu öffnen. Ein spektakulär gut gewählter Drehort!

Mit 2147 Metern ist der Mount Odin der höchste Berg auf Baffin Island. Benannt ist er nach dem Vater aller Wikingergötter Odin.

Rund acht Tage lang sind die Tourengeher auf dem Akshayuk Pass unterwegs. Übernachtet wird in Zelten unter freiem Himmel. Krönendes i-Tüpfelchen für erschöpfte, aber glückliche Wanderer sind die Polarlichter, Aurora Borealis, die sich in klaren Nächten am Himmel zeigen – eine imposante und ganz kostenlose Lichtershow der Natur.
Die beste Zeit für eine Tour über den Akshayuk Pass ist Mitte Juli bis Ende August. Wanderer sollten jedoch auch in dieser sommerlichen Jahreszeit auf ungemütliche Wetterbedingungen vorbereitet sein. Plötzlicher Temperaturabfall, starke Winde, Regen oder sogar Schneefall sind durchaus möglich. Ein Zeitpuffer bei der Routenplanung ist also unbedingt erforderlich.

Wem der Akshayuk Pass zu extrem erscheint, für den hat Nunavut auch Sanfteres zu bieten: Touren in und um Cambridge Bay auf Victoria Island führt die Wanderer beispielsweise zu riesigen Vogelbiotopen, wunderschönen arktischen Küstenabschnitten, tollen Fischgründen und bedeutungsvollen archäologischen Stätten. Wer auf den Spuren der Polarforscher Amundsen und Franklin wandeln bzw. wandern möchte, der kommt im Northwest Passage Historical Park nahe der Gemeinde Goja Haven auf seine Kosten.

Auch der Quttinirpaaq National Park auf Ellesmere Island oder der Katannilik Territorial Park sind äußerst beliebte Destinationen für Wandertouren. Von Tagesausflügen bis zu zweiwöchigen Expeditionen mit landeskundigen Führern ist alles möglich. Die Parks bieten ausgezeichnete Wandermöglichkeiten auf markierten Pfaden, die das Ökosystem schützen. Auch auf diesen „öffentlichen“ Wegen ist die Sichtung arktischer Wildfauna wie Karibus und Polarwölfe wahrscheinlicher als das Zusammentreffen mit anderen Wanderern. Nunavut ist also genau das Richtige für all jene, die die Einsamkeit der arktischen Natur zu schätzen wissen. Oftmals zeugen nur Inuksuks – von den Inuits als Wegweiser in der Landschaft aufgestellte Steinmännchen – davon, dass hier bereits Menschen unterwegs waren.

Zu einer echten Wandertour – zumal wenn sie mehrtägig ist – gehört natürlich auch die Übernachtung im Zelt. Ausgewiesene Campingplätze sind selten in Nunavut. Camper sind gewöhnlich sich selbst überlassen, sodass Campingtouren am besten mit einem landeskundigen Führer unternommen werden. Diese kennen die günstigsten Plätze zum Campen, die zum Beispiel besonders geschützt liegen, über ausreichendes Frischwasser verfügen oder exzellenter Aussichtspunkt für Tierbeobachtungen sind. In Nationalparks müssen stets die ausgewiesenen Campingplätze aufgesucht werden.

Etwas knifflig ist die Tatsache, dass normale Heringe aufgrund des steinigen Untergrunds oftmals nicht genutzt werden können. Spezielle Stahlheringe oder Halteseile, mit denen das Zelt festgebunden wird, sind unumgänglich, um gegen den starken arktischen Wind standzuhalten.

Alle startklar?!? Dann kann Ihr Nunavut-Abenteuer beginnen!

Diesen und viele weitere Beiträge aus den Ressorts Travel & Outdoors, Emigration & Working Holidays, Culture & Lifestyle lesen Sie in der neuen Ausgabe von 360° Kanada (Nr. 3/2012). Ab 14. Juni im Zeitschriftenhandel erhältlich oder unter E-Mail Adresse versteckt zum Spamschutz (als Printmagazin oder PDF).

Mrz 24
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Reise zum Ende des Eises 1

Eisberg an der Treibeiskante

Eisberg an der Treibeiskante (c) Tourism Nunavut

„Sinaaq“ – so nennen die Inuit, Ureinwohner in Kanadas nördlichstem Territorium Nunavut, in ihrer Sprache Inuktitut einen Ort, der uns Europäern fremder nicht sein könnte: die arktische Treibeiskante. Hier, wo das offene Meer in jedem Frühjahr auf die sich zurückziehenden festen Eismassen des zugefrorenen Meeres trifft, befindet sich das wohl dynamischste und vielseitigste Ökosystem der Erde.

Wenn die Tage in Nunavut ab April wieder länger und die Temperaturen milder werden, vollzieht sich in der Arktis ein faszinierendes Phänomen, das täglich wechselnde bizarre Landschaftsformen ausbildet. Den Ort des Geschehens bezeichnen die Inuit mit „Sinaaq“, im Englischen spricht man von „Floe Edge“. Eine „floe“ ist eine im Meer treibende flache Eisscholle aus Salzwasser, die ein stattliches Ausmaß von bis zu zehn Kilometer Breite erreichen kann. Als Treibeis hebt und senkt sie sich mit den Gezeiten und reist mit den Meeresströmungen und arktischen Winden durch den eisigen Ozean. Erst in Küstennähe wird diese Riesen-Eisscholle durch festes Eis ausgebremst, das mit der Landmasse verbunden ist. Sie dockt sich ans Land oder den flachen Meeresboden an. Die Treibeiskante entsteht. Das Aufbrechen und Auftürmen des schmelzenden Eises kreiert jeden Tag ein neues aufregendes Landschaftsbild, bis der Prozess Ende Juni abgeschlossen ist.

„Line of Life“ – auch so wird die Treibeiskante manchmal genannt. Nichts ist treffender als diese Bezeichnung! Denn von April bis Juli sammelt sich die Tierwelt der Arktis entlang der Treibeiskante. Die Tiere warten in Scharen darauf, dass das Eis schmilzt und den Weg frei macht zu den reichhaltigen Futterstellen in den Meeresbuchten und zerklüfteten Fjorden der arktischen Küste Nunavuts.

Die Gewässer um Baffin und Bylot Island enthalten die reichhaltigste Verbreitung maritimer Säugetiere in der östlichen Arktis. Walrösser und Seehunde tauchen auf, um sich im Sonnenschein zu wärmen, kleine und große Eisbären wandern umher oder genießen ein Bad im Meer. Direkt vor der Küste tummeln sich quasi zum Greifen nah Heerscharen von weißen Belugawalen, seltenen Grönlandwalen und Narwalen, die in Milne Inlet ihre Jungen zur Welt bringen. Millionen arktischer Zugvögel sind unterwegs zu ihren Sommernistplätzen. Ein Zwischenstopp an der Treibeiskante verspricht ihnen Leckereien, die bei der Seehundjagd der Eisbären übrig geblieben sind. Ferngläser und Kamera nicht vergessen: Dem überwältigten Besucher eröffnet sich ein reichhaltiges und vielseitiges Ökosystem, das wie kein anderes zu extensiven Tierbeobachtungen einlädt.

Doch die Treibeiskante ist auch Stätte eines weiteren Naturschauspiels. Wenn das Eis aufbricht, kommen sie langsam angeschwommen – die Eisberge. Als weiße Gipfel treiben sie auf kristallblauem Meer. Beachtlich und gefährlich zugleich, denn nur ein Achtel ihrer Masse ist über dem Wasser zu sehen. Aus Schneeflocken geboren, die vor 10.000 bis 15.000 Jahren auf die Erde fielen, sind sie heute wahre Kunstwerke der Natur, die von den tosenden Wellen des Meeres, Strömungen und pfeifenden Winden geformt wurden. Die gesamte Ostküste Baffin Islands von Pond Inlet bis Qikiqtarjuaq gleicht einer einzigen Eisberg-Galerie, die weltweit einmalig ist. Den ganzen Sommer über dauert die Wanderung der schimmernden Giganten. Die Treibeiskante ist spektakulär, mystisch – und gefährlich. Man sollte sie daher nicht auf eigene Faust aufsuchen.

Geführte Tierbeobachtungs-Touren entlang wunderschöner Berg-Szenerien, geschäftiger Vogelkolonien und treibender Eisberge starten in vielen Gemeinden Nunavuts, zum Beispiel Clyde River, Coral Harbour, Igloolik, Iqaluit, Pond Inlet oder Qikiqtarjuaq. Erfahrene Reiseführer aus der Region, die sich bestens mit den Gezeiten, Wetterkonditionen und dem sich permanent verändernden Zustand des Eises auskennen, sorgen für die Sicherheit der Besucher. Gleichzeitig können die professionellen Naturforscher und ortsansässigen Inuit mit viel Wissen über Natur- und Kulturerbe Nunavuts begeistern.

Touren zur Treibeiskante können als eintägiger Ausflug oder als mehrtägige Exkursion auf dem Eis mit Übernachtung in Zelten gebucht werden. Wild, gemütlich und unvergesslich. Gereist wird mit dem Hundeschlitten oder dem Boot, mit Schneemobil oder dem traditionellen Qamutiik, einem arktischen Schlitten, der von einem Schneemobil gezogen wird. Für die ganz erprobten Abenteurer werden Expeditionen angeboten, bei denen Teilstrecken auf Skiern oder im Sea-Kayak zurückgelegt werden. Oft wird bei einer Treibeiskanten-Tour ein traditioneller Lunch gereicht: Arktischer Saibling mit Bannock – ein traditionelle Fladenbrot der Inuit – und Tee aus dem kristallklaren Wasser eines Eisberges.

Herzlich willkommen in Nunavut!

www.nunavuttourism.com

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