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Archiv für das Schlagwort: Eisberg

Jun 13
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Todeszone Eisberg: der letzte große Kitzel 2

Die einheimischen Fischer halten sie für verrückt: Eisbergkletterer (c) Bernadette Calonego

Die einheimischen Fischer halten sie für verrückt: Eisbergkletterer (c) Bernadette Calonego

von Bernadette Calonego

Sarah George späht angespannt auf den Ozean hinaus. Dort draußen auf dem Nordatlantik nähert sich ein zerbrechliches Boot einem Eisberg. Der weiße Riese schaukelt in den aufgewühlten Wogen vor der Nordspitze Newfoundlands. Sarah kennt das Gefühl. Nicht weit von hier hat die 25-jährige Bergführerin aus dem US-Staat West Virginia einen Eisberg bestiegen – als eine von nur zwei Frauen auf der Welt und als erste Frau ohne Seil. „Es war furchterregend“, sagt sie, „und ich will es nie wieder tun.“

Damals schien die Sonne, und der Eisberg war eher klein. Heute aber bläst der Wind von Nordosten, das macht die See nahe dem kanadischen Fischerdorf Hay Cove unberechenbar. Sarahs Kletterfreunde Don Wargowsky und Tom Prigg sind mit dem einheimischen Fischer Godfrey Parsons zum Eisberg hinausgefahren, um die Lage zu prüfen. Die beiden wollen den gläsernen Gipfel mit drei anderen Abenteurern besteigen. Jetzt sind sie von der Erkundung zurück und legen an der kleinen Werft von Hay Cove an.

„Ich glaube, wir verschieben das Ganze besser auf morgen“, sagt Wargowsky, als er Halt auf den Holzplanken sucht. Der Kunstlehrer aus der amerikanischen Stadt Pittsburgh ist sichtlich nervös. Er weiß, dass ein Eisberg jederzeit und ohne Warnsignal auseinanderbrechen oder kentern kann. Nicht nur das: Die heftigen Wogen könnten die Kletterer zwischen Eis und Boot zermalmen. Es sieht nicht gut aus. „Die Wogen sind arg“, sagt Prigg, „und der Eisberg dreht sich wie verrückt.“ Sein Gesicht ist starr vor Besorgnis, als er sich aus dem Motorboot auf den Landesteg hievt. Es scheint, als sei dem Amerikaner erst richtig aufgegangen, wie gefährlich sein Vorhaben ist. „Russisches Roulette“, sagt er und bläst seinen Atem in die kalte Luft, „es ist wirklich russisches Roulette.“

Vierundvierzig Stunden sind die Extremkletterer mit einem Reisebus von Pittsburgh in den Norden der kanadischen Insel Newfoundland gefahren. Für Wargowsky und Prigg ist es das zweite Mal. „Aber diesmal wollen wir einen riesigen Eisberg weit draußen im Ozean besteigen“, haben sie den Einheimischen erklärt. Diese halten die Amerikaner für verrückt.

„Ich habe zuviele Eisberge vor meinen Augen auseinanderbrechen sehen“, sagt ein Fischer. „Man könnte mir hunderttausend Dollar zahlen und ich würd`s nicht tun.“ Godfrey Parsons weigert sich, die Gruppe in seinem kleinen Motorboot zu einem freischwimmenden Eisberg weit vor der Küste zu fahren: Die Strömung sei viel zu stark, die Entfernung zu groß. Auch Sarah ist mulmig zumute. Ihr Bruder Eliot will es zum ersten Mal auf einem Eisberg versuchen.

Den vollständigen Artikel von Bernadette Calonego und viele weitere Beiträge aus den Ressorts Travel & Outdoors, Emigration & Working Holidays, Culture & Lifestyle lesen Sie in der neuen Ausgabe von 360° Kanada (Nr. 3/2012). Ab 14. Juni im Zeitschriftenhandel erhältlich oder unter E-Mail Adresse versteckt zum Spamschutz (als Printmagazin oder PDF).

Mrz 24
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Reise zum Ende des Eises 1

Eisberg an der Treibeiskante

Eisberg an der Treibeiskante (c) Tourism Nunavut

„Sinaaq“ – so nennen die Inuit, Ureinwohner in Kanadas nördlichstem Territorium Nunavut, in ihrer Sprache Inuktitut einen Ort, der uns Europäern fremder nicht sein könnte: die arktische Treibeiskante. Hier, wo das offene Meer in jedem Frühjahr auf die sich zurückziehenden festen Eismassen des zugefrorenen Meeres trifft, befindet sich das wohl dynamischste und vielseitigste Ökosystem der Erde.

Wenn die Tage in Nunavut ab April wieder länger und die Temperaturen milder werden, vollzieht sich in der Arktis ein faszinierendes Phänomen, das täglich wechselnde bizarre Landschaftsformen ausbildet. Den Ort des Geschehens bezeichnen die Inuit mit „Sinaaq“, im Englischen spricht man von „Floe Edge“. Eine „floe“ ist eine im Meer treibende flache Eisscholle aus Salzwasser, die ein stattliches Ausmaß von bis zu zehn Kilometer Breite erreichen kann. Als Treibeis hebt und senkt sie sich mit den Gezeiten und reist mit den Meeresströmungen und arktischen Winden durch den eisigen Ozean. Erst in Küstennähe wird diese Riesen-Eisscholle durch festes Eis ausgebremst, das mit der Landmasse verbunden ist. Sie dockt sich ans Land oder den flachen Meeresboden an. Die Treibeiskante entsteht. Das Aufbrechen und Auftürmen des schmelzenden Eises kreiert jeden Tag ein neues aufregendes Landschaftsbild, bis der Prozess Ende Juni abgeschlossen ist.

„Line of Life“ – auch so wird die Treibeiskante manchmal genannt. Nichts ist treffender als diese Bezeichnung! Denn von April bis Juli sammelt sich die Tierwelt der Arktis entlang der Treibeiskante. Die Tiere warten in Scharen darauf, dass das Eis schmilzt und den Weg frei macht zu den reichhaltigen Futterstellen in den Meeresbuchten und zerklüfteten Fjorden der arktischen Küste Nunavuts.

Die Gewässer um Baffin und Bylot Island enthalten die reichhaltigste Verbreitung maritimer Säugetiere in der östlichen Arktis. Walrösser und Seehunde tauchen auf, um sich im Sonnenschein zu wärmen, kleine und große Eisbären wandern umher oder genießen ein Bad im Meer. Direkt vor der Küste tummeln sich quasi zum Greifen nah Heerscharen von weißen Belugawalen, seltenen Grönlandwalen und Narwalen, die in Milne Inlet ihre Jungen zur Welt bringen. Millionen arktischer Zugvögel sind unterwegs zu ihren Sommernistplätzen. Ein Zwischenstopp an der Treibeiskante verspricht ihnen Leckereien, die bei der Seehundjagd der Eisbären übrig geblieben sind. Ferngläser und Kamera nicht vergessen: Dem überwältigten Besucher eröffnet sich ein reichhaltiges und vielseitiges Ökosystem, das wie kein anderes zu extensiven Tierbeobachtungen einlädt.

Doch die Treibeiskante ist auch Stätte eines weiteren Naturschauspiels. Wenn das Eis aufbricht, kommen sie langsam angeschwommen – die Eisberge. Als weiße Gipfel treiben sie auf kristallblauem Meer. Beachtlich und gefährlich zugleich, denn nur ein Achtel ihrer Masse ist über dem Wasser zu sehen. Aus Schneeflocken geboren, die vor 10.000 bis 15.000 Jahren auf die Erde fielen, sind sie heute wahre Kunstwerke der Natur, die von den tosenden Wellen des Meeres, Strömungen und pfeifenden Winden geformt wurden. Die gesamte Ostküste Baffin Islands von Pond Inlet bis Qikiqtarjuaq gleicht einer einzigen Eisberg-Galerie, die weltweit einmalig ist. Den ganzen Sommer über dauert die Wanderung der schimmernden Giganten. Die Treibeiskante ist spektakulär, mystisch – und gefährlich. Man sollte sie daher nicht auf eigene Faust aufsuchen.

Geführte Tierbeobachtungs-Touren entlang wunderschöner Berg-Szenerien, geschäftiger Vogelkolonien und treibender Eisberge starten in vielen Gemeinden Nunavuts, zum Beispiel Clyde River, Coral Harbour, Igloolik, Iqaluit, Pond Inlet oder Qikiqtarjuaq. Erfahrene Reiseführer aus der Region, die sich bestens mit den Gezeiten, Wetterkonditionen und dem sich permanent verändernden Zustand des Eises auskennen, sorgen für die Sicherheit der Besucher. Gleichzeitig können die professionellen Naturforscher und ortsansässigen Inuit mit viel Wissen über Natur- und Kulturerbe Nunavuts begeistern.

Touren zur Treibeiskante können als eintägiger Ausflug oder als mehrtägige Exkursion auf dem Eis mit Übernachtung in Zelten gebucht werden. Wild, gemütlich und unvergesslich. Gereist wird mit dem Hundeschlitten oder dem Boot, mit Schneemobil oder dem traditionellen Qamutiik, einem arktischen Schlitten, der von einem Schneemobil gezogen wird. Für die ganz erprobten Abenteurer werden Expeditionen angeboten, bei denen Teilstrecken auf Skiern oder im Sea-Kayak zurückgelegt werden. Oft wird bei einer Treibeiskanten-Tour ein traditioneller Lunch gereicht: Arktischer Saibling mit Bannock – ein traditionelle Fladenbrot der Inuit – und Tee aus dem kristallklaren Wasser eines Eisberges.

Herzlich willkommen in Nunavut!

www.nunavuttourism.com

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