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100 Jahre Yaaaaaa-hoooooooooooo! 1

Reiterin trägt Calgary Stampede FlaggeSchon bei meiner Ankunft am Flughafen von Calgary streckt der Ausnahmezustand seine Finger nach mir aus. Eine Country-Band spielt zur Begrüßung mitreißende Herzschmerzstücke und eine Frau mit knallrotem Cowboyhut und Fransen an der Bluse will mir ein Brandeisen auf die Hand drücken. Entsetzt zucke ich zurück, vor lauter Jetlag habe ich übersehen, dass es nur ein roter Stempel ist.

Die Calgary Stampede, die selbsternannte „Greatest Outdoor Show on Earth“, ist in der Stadt. Und 2012, genauer gesagt: vom 6. bis 15. Juli, fällt das größte Rodeo der Welt noch eine Nummer größer aus, denn es feiert sein 100. Jubiläum.

Ich lasse mich vom ausgelassenen Trubel in der Stadt mitreißen und stelle fest: Die Einheimischen erkennt man daran, dass ihre Cowboyboots deutlich mehr Patina haben. Wer ohne passendes Outfit gekommen ist, lässt sich bei Lammles oder Ryley&McCormick in der Steven Ave oder von der Alberta Boot Company, einige Kilometer südlich, am MacLeod Trail, stilecht einkleiden. Für kleineres Geld bekommt man auch bei den Straßenhändlern ein Accessoire, zum Beispiel den allgegenwärtigen weißen Cowboyhut. Aber Vorsicht: die Plastikteile verursachen bad hair days …

Seit 1912 veranstaltet Calgary seine Stampede, bei der jeden Juli zehn Tage lang die besten Reiter der Welt gegeneinander antreten: auf bockenden Pferden und kraftstrotzenden Bullen, in rasanten Planwagenrennen und auf Ponys, die in Haarnadelkurven um Tonnen flitzen. In diesen 100 Jahren hat sich die Stadt verändert: Sie ist durch Ölfunde reicher geworden als es die Farmer je vermochten, war Gastgeber der olympischen Winterspiele und wächst seit einigen Jahren rasant, vor allem junge Menschen aus Kanada und der ganzen Welt ziehen an den Bow River. Und doch hat sie sich ihre „Western Soul“ bewahrt.

Hier sehe ich waschechte Cowboys auf 1 PS durch die Straßenschluchten Downtowns reiten, vorbei an fetten Pick-Ups und Wolkenkratzern aus Glas und Stahl, in denen Ölkonzerne ihre Büros und gut verdienende End-Zwanziger ihre Lofts haben. Gefeiert wird non-stop: in den strohballengeschmückten Bars der Stadt, entlang der Steven Avenue, die sich in dieser Zeit zum Outdoor-Saloon entwickelt, den beiden großen Countryclubs „Ranchmans“ und „Stockyards“ (vor denen sich während der Stampede lange Schlangen bilden) und natürlich auf dem Stampedegelände, nur ein paar Blocks von Downtown entfernt.

Das zehntägige Volksfest beginnt mit einer großen Parade und an jedem Morgen verteilen Freiwillige an vielen Orten in der Stadt (und insbesondere auf dem Rope Square) Flapjacks. Das sind Pfannkuchen mit knusprigem Schinken und Ahornsirup, die übrigens auch als Katerfrühstück sehr gut funktionieren. Mutige probieren Praerie Oysters – das sind keine Meeresfrüchte, sondern Stierhoden! – zum Beispiel im  Buzzards Restaurant.

Auf dem Stampede-Gelände gibt es einen gigantischen Rummelplatz, viele viele Verkaufsstände, Frittierbuden, von denen man alles nur erdenkliche in siedendem Fett ausgebacken bekommen kann, mehrere Bühnen und das Partyzelt Nashville North, in dem abends junge und alte Cowboys mit ihren Ladies zur Lifemusik im Two Step schwofen. Und dort ist natürlich auch die Wettkampfarena, in der das begeisterte Publikum die Reiter unermüdlich mit lautstarkem „Yaaaa-hoooooo!!!“ anfeuert.

Jeden Abend endet das Programm mit der großen Grandstand Show, einem Spektakel aus Musik, Tanz, Akrobatik, Comedy und Pyrotechnik, das in der großen Arena aufgeführt wird. In diesem Jahr wird dort auch Country Superstar Paul Brandt auf der Bühne stehen, ein eigenes Set spielen und für die Show Hits aus den letzten 100 Jahren interpretieren.

Und im legendären Nashville North werden die erfolgreichsten Cowboys – erkennbar an den größten Gürtelschnallen – auf den allabendlichen Parties von knapp bekleideten „Buckle-Bunnies“ umschwärmt. Denn hier sind Cowboys Rockstars, Groupies inklusive.

 

*Es ist nur noch ein begrenztes Kartenkontingent  erhältlich, das am jeweiligen Tag ab 11 Uhr vormittags hier in den Verkauf geht.

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