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Archiv für das Thema: Natur

Mai 21
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Natur

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum 0

Das Museum in Toronto präsentiert weltweit einmalig ein plastiniertes Blauwalherz

Für Wissenschaftler war es eine Tragödie, als im Jahr 2014 acht Blauwale vor der Küste Neufundlands den Tod im Eis fanden. Zwei der größten Säugetiere der Welt strandeten vor den Städten Rocky Harbour and Trout River. So bot der Tod der Tiere eine Chance, mehr über die immer noch geheimnisvollen großen Wale zu erfahren. Und ein Blauwalherz so zu präparieren, dass es im ROM, dem Royal Ontario Museum einem großen Publikum dauerhaft präsentiert werden kann. Und hier kam dann die in der brandenburgischen Niederlausitz liegende Stadt Guben ins Spiel.

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Von Januar bis März 2017 wurde das noch weiche, plastinierte Herz in Position gebracht, so dass es lebensecht präsentiert werden kann.           Foto: © Enrico Werner/Gubener Plastinate GmbH

Als die mächtigen Meeressäuger im Mai 2014 in der Nähe der beiden in der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador liegenden Städte Rocky Harbour und Trout River strandeten, war es für die Wissenschaft eine Tragödie, denn insgesamt acht der imposanten Tiere verloren ihr Leben. Auf nur noch 200 bis 400 Tiere wird die Population der Blauwale vor der kanadischen Atlantikküste geschätzt. Aber die beiden gestrandeten Tiere boten den Wissenschaftler auch einen Einblick in das immer noch geheimnisvolle Leben der größten Säugetiere der Erde.
Ein Team des Royal Ontarion Museum (ROM) nutzte die Gelegenheit und reiste nach Neufundland, um die Tiere unter die Lupe zu nehmen. Schnell kam die Idee auf, Organe, insbesondere das Herz zu erhalten. Aber wie? Aus dem Herz ein Plastinat herstellen? Da mussten alle, die es könnten passen.

Dann jedoch kam nach einer Empfehlung eines US-amerikanischen Plastinators Guben, in der brandenburgischen Niederlausitz gelegen, ins Spiel. Hier hat die Gubener Plastinate GmbH ihren Sitz. Das von Gunther von Hagens gegründete und heute von seinem Sohn Rurik von Hagens geleitete und geführte Institut nahm die Herausforderung an und ließ sich das rund 200 Kilogramm schwere Herz, das einem rund 30 Jahre alten, etwa 24 Meter langen und 90 Tonnen schweren Blauwal-Weibchen entnommen wurde, nach Guben anliefern.

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Ein imposanter Anblick auch für das Team der Gubener Plastinate GmbH, das Blauwalherz aus Neufundland. Foto: © Enrico Werner/GubenerPlastinate GmbH.

Viele Kilo Blut, Wasser und Fett wurden durch Silikon ersetzt

Das war Ende November 2015. In mehr als eineinhalb Jahren harter Arbeit hat das Team der Gubener Plastinate GmbH aus einem Fleischberg, der lange Zeit im Walkadaver war und dessen Verwesung zunächst mit Formalin und Einfrieren gestoppt wurde, wieder ein Organ in seinen originalen Strukturen erschaffen und so weltweit einzigartig, erhalten.
„Man wusste, dass ein Herz des Blauwals sehr groß ist, aber dann war es doch kleiner als erwartet“, sagen Mark Engstrom und Jacqui Miller vom ROM. Beide Wissenschaftler waren sowohl in Neufundland bei der Entnahme des Organs als auch in Guben beim Plastinations- und Präparationsvorgang eingebunden. Aber auch wenn es wissenschaftlich „kleiner als gedacht“ eingeordnet wird, hat das Herz riesige Ausmaße. Gut 1,70 m hoch, eine Aorta in den Abmessungen eines Abflussrohres, das nunmehr fertige Plastinat ist beeindruckend. „So ein Walherz ist ein kleines Kraftwerk, mit jedem Herzschlag werden ungefähr 115 Liter Blut in die Herzkammer gepumpt“, erklärt Jacqui Miller vom ROM, soviel wie in eine Badewanne passt.

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Das Abenteuer Blauwalherz beginnt. Im Bild 2.v.l Dr. Vladimir Chereminskiy, Director of Plastination & Anatomy der GuPla und Leiter des Plastinationsprojektes Blauwalherz.               Foto: © Enrico Werner/Gubener Plastinate GmbH

Während eines Besuches im Januar diesen Jahres von Jacqui Miller und Mark Engstrom wurde gemeinsam mit Rurik von Hagens, Sohn des Institutsgründers Gunther von Hagens und Geschäftsführer der Gubener Plastinate GmbH und Dr. Chereminskiy Details besprochen und entschieden ob und wo ein sogenanntes Fenster in den Herzmuskel geschnitten wird. Dies, um dem Museumsbesucher einen tiefen Einblick in das Blauwalherz zu gewähren. „Dieser Auftrag war etwas ganz besonderes, bei einem derart großen Objekt kommen immer neue Herausforderungen auf das Team zu.“

Mehr als 20 Mitarbeiter waren bis Mitte Mai in den Entstehungsprozess eingebunden. Dadurch dass das Herz dem toten Tier erst viele Tage nach dessen Tod entnommen werden konnte und auch zur Sicherung eingefroren war, war die Präparation und korrekte Positionierung der anatomischen Strukturen eine besondere Aufgabe. Aber das Gubener Team hat ganze Arbeit geleistet. Nach dem Aushärten des Herzes zeigen sich nun die Strukturen des Muskels und der Gefäße. Ein tolles, weltweit einzigartiges Anschauungsobjekt ist entstanden. Mittlerweile ist das Blauwalherz in Toronto eingetroffen. Die Mitarbeiter des ROM bereiten nun alles für eine dauerhafte Präsentation der großen Organs im Rahmen einer großen Blauwal-Ausstellung vor. In den kommenden Wochen ist es dann soweit, dann wird in Toronto ein beeindruckendes Werk der Gubener Plastinate GmbH zu sehen sein, mitten im Herzen der Hauptstadt der Provinz Ontario und größten Stadt Kanadas.

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Feinarbeit an den Gefäßen des Blauwalherzes. Zu sehen ist auch die an ein Abflussrohr erinnernde riesige Aorta. Foto: © Enrico Werner/Gubener Plastinate GmbH

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Großes und schweres Gerät unterstützte das Team der GuPla bei ihrer Arbeit.                           Foto: © Enrico Werner/Gubener Plastinate GmbH

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Die Besucher aus Toronto lassen sich den Fortschritt bei der Präparation des Blauwalherzes zeigen. V.l. Rurik von Hagens, Dr. Gunther von Hagens und Dr. Chereminskiy.                           Foto: © Enrico Werner/Gubener Plastinate GmbH

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Mark Engstrom vom Royal Ontario Museum schneidet ein „Fenster“ in das Blauwalherz.         Foto: © Enrico Werner/Gubener Plastinate GmbH

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Das fertige Präparat bietet einen beeindruckenden Einblick in das Herz des größten Säugetieres der Erde. Foto: © Enrico Werner/Gubener Plastinate GmbH

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Ein Projekt – ein Team. In einem wahren Kraftakt haben es Teamleiter und Mitarbeiter geschafft, das Blauwalherz kann die Reise nach Kanada antreten.                                                       Foto: © Enrico Werner/Gubener Plastinate GmbH

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Das Blauwalherz ist in Toronto angekommen. Foto: © Royal Ontario Museum Toronto

Wir danken für die freundliche Unterstützung durch die Gubener Plastinate GmbH, die uns das Bildmaterial zur Verfügung gestellt hat und uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist. Ein besonderer Dank gilt Anja Woitke vom Gubener Plastinate Team.

Weitere Informationen:

Die Gubener Plastinate GmbH, das Plastinarium und Gunther von Hagens
Gunther von Hagens, 1945 in Alt-Skalden bei Posen im heutigen Polen geboren ist Mediziner und Anatom, ein Grenzgänger, der spätestens mit der im Ausland gefeierten und in Deutschland kontrovers diskutierten Präsentation der KÖRPERWELTEN einem breiten Publikum bekannt wurde. Von Hagens hat die von ihm entwickelte und patentierte Plastination von Organen, ja ganzer Menschen verfeinert und damit sowohl der Medizin als auch der Wissenschaft und Forschung einen neuen Zugang zu Muskeln, Gefäßen und Knochen gegeben. Nie zuvor konnten sich Menschen mit dem Körper, aber auch dem Tod so intensiv auseinander setzen. Damit hatte Gunther von Hagens etwas erschaffen, dass weit über sein Leben hinaus Bestand haben wird. Leider ist der bekannte Anatom seit einigen Jahren erkrankt und nur noch selten in der Öffentlichkeit präsent.

Von Neufundland über Guben ins Royal Ontario Museum

Der Erfinder der Plastination, Gründer der Gubener Plastinate GmbH und sympathische Grenzgänger Gunther von Hagens. Foto: © Enrico Werner/Gubener Plastinate GmbH

Die Gubener Plastinate GmbH, heute von Gunther von Hagens‘ Sohn Rurik geführt und geleitet, stellt Plastinate für Wissenschaft und Forschung, die Ausbildung zukünftiger Mediziner, aber auch für die eigene Ausstellung im PLASTINARIUM und die KÖRPERWELTEN her. Neben den KÖRPERWELTEN, die dem Laien Zugang zur Anatomie verschaffen, indem sie den Menschen ineinzigartiger Weise präsentieren, gibt es mittlerweile auch die „KÖRPERWELTEN der Tiere“.

Das Plastinarium ist über folgenden Kontakt erreichbar: PLASTINARIUM, Uferstraße 26, 03172 Guben, Telefon: 03561-54 74 382, Fax: 03561-54 74 121, E-Mail: info(at)plastinarium.de. Weitere, vertiefende Informationen gibt es hier.

Mehr Informationen zu den KÖRPERWELTEN finden Sie unter www.koerperwelten.de
Zu den Lehrplastinaten der Gubener Plastinate GmbH unter der Marke von Hagens Plastination finden Sie hier weitere Informationen.

Mrz 16
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Natur

Vor dem Schneesturm ist nach dem Schneesturm: Blizzard in Manitoba 1

Laverendrye Avenue ist nach dem Blizzard gerade breit genug für den Schulbus; Claudia Grill

Laverendrye Avenue ist gerade breit genug für den Schulbus, Foto: Claudia Grill

Text und Bilder: Claudia Grill

Während in großen Teilen Europas langsam Frühlingsstimmung einkehrt, stellen sich die Leute im Norden Manitobas auf ein paar weitere Wintermonate ein und machen sich daran, die Spuren des letzten großen Schneesturms zu beseitigen. Die Auswanderin Claudia Grill hat diesen Blizzard vor Ort miterlebt.

Als Environment Canada Anfang März eine Blizzard-Warnung herausbringt, denken sich die meisten BewohnerInnen von Churchill, Manitoba nicht viel. Es ist bereits die fünfte solche offizielle Ankündigung seit Dezember, völlig normal in der Stadt der Eisbären. Kaum jemand rechnet damit, dass sich der vorausgesagte Sturm zu einem Jahrhundertereignis auswachsen wird. Noch vor wenigen Wochen wurde nach einer ebensolchen Warnung gescherzt, wo denn bitte Wind und Schnee blieben. Nun ist die Stadt unter Schneemassen begraben, wie man sie seit über fünfzig Jahren nicht gesehen hat.

Schneeverwehungen ziehen sich über ganze Straßenzüge, Foto: Claudia Grill

Schneeverwehungen ziehen sich über ganze Straßenzüge, Foto: Claudia Grill

Die Sicht reicht nicht einmal bis zur anderen Straßenseite; Claudia Grill

Die Sicht reicht nicht einmal bis zur anderen Straßenseite, Foto: Claudia Grill

In Churchill – v.a. bekannt als „Polar Bear Capital of the World“ – ist man lange, harte Winter gewöhnt. Alljährlich stellt man sich hier auf Temperaturen unter minus 45 Grad, gefrierende Wasserleitungen, nicht starten wollende Autos und Wetterkapriolen ein. Eine Warnung vor einem Blizzard – d.h.  Windstärken von über 40km/h und weniger als 400 Meter Sichtweite über mehr als sechs Stunden – versetzt in Churchill also niemanden in Aufregung. Diesmal wird allerdings nach und nach klar, dass dieser Sturm kein gewöhnlicher ist. Er bauscht sich innerhalb eines Tages auf bis zu 130km/h auf und bringt die Stadt zum Stillstand. Neben der Schule und allen anderen öffentlichen Einrichtungen schließt auch der Supermarkt. Der Zug, der morgens aus Winnipeg ankommt und abends wieder zurückfahren soll, bleibt in der Station (und steht dort heute noch); der Flugverkehr ist sowieso ausgesetzt. Die Stadtverwaltung rät allen BewohnerInnen, ihre Häuser und Wohnungen nicht zu verlassen. Lediglich die Notaufnahme des örtlichen Spitals ist in Betrieb.

Häuser sind teilweise ganz unter den Schneemassen begraben; Claudia Grill

Häuser sind teilweise ganz unter den Schneemassen begraben, Foto: Claudia Grill

"Caribou Hall" unter den Schneemassen, Foto: Claudia Grill

„Caribou Hall“ unter den Schneemassen, Foto: Claudia Grill

Nach einigen Stunden haben sich Schneeverwehungen gebildet, die das Passieren der meisten Straßen und Wege unmöglich machen. Über 56 Stunden dauert der Schneesturm; danach sind einige Personen in ihren Häusern eingeschlossen und die Schneeberge höher als viele Gebäude. In manchen Haushalten werden Nahrungsmittel knapp und teilweise geben Heizungen den Geist auf. Einige mutige Frauen und Männer machen sich auf den Weg um NachbarInnen mit Lebensmitteln zu versorgen. Im Schneesturm verliert man schnell die Orientierung, deshalb werden Seile zwischen Häusern gespannt; so kann man sich etwas besser zurechtfinden.

Trotz allem hatten die BewohnerInnen von Churchill Glück im Unglück: die Stromversorgung blieb intakt und niemand wurde ernsthaft verletzt. Viele können sich noch an den letzten großen Schneesturm von 1999 erinnern. Damals brach das Stromnetz zusammen und die EinwohnerInnen mussten sich in den Town Complex, der mit Generatoren betrieben werden kann, begeben.

Aufräumarbeiten; der Schnee ist teilweise hart wie Beton, Foto: Claudia Grill

Aufräumarbeiten; der Schnee ist teilweise hart wie Beton, Foto: Claudia Grill

Aufräumarbeiten. Der Schnee ist vom Wind zusammengepresst hart wie Beton; Claudia Grill

Aufräumarbeiten; der hartgepackte Schnee ist einige Meter hoch, Foto: Claudia Grill

Unter dem Schnee befindet sich eine der Seitengassen

Unter dem Schnee befindet sich eine der Seitengassen, Foto: Claudia Grill

Nach über drei Tagen kehrt wieder Leben in Churchill ein. Insgesamt fielen rund achtzig Zentimeter Schnee – nicht besonders viel, möchte man sagen. Der starke Wind hat den Schnee aber aufgetürmt und zusammengepresst, die meterhohen Schneeverwehungen sind hart wie Beton. Dieser Tage herrscht großer Gemeinschaftssinn und wer kann, hilft mit: Hauseingänge werden freigeschaufelt, Fahrzeuge ausgebuddelt, Straßen geräumt, Schäden begutachtet. Die Bediensteten der Stadt sind rund um die Uhr mit Baggern und Lastwägen im Einsatz. Es wurde ein lokaler Ausnahmezustand ausgerufen, alle verfügbaren Ressourcen wurden mobilisiert Der Supermarkt ist wieder offen, aufgrund des fehlenden Nachschubs gibt es jedoch in der ganzen Stadt keine Milch, kein Brot und kein frisches Gemüse mehr. Auch rund eine Woche nach dem Spektakel sind noch nicht alle Wege wieder befahrbar, noch nicht alle Leitungen repariert, nicht alle Gebäude vollständig vom Schnee befreit. Dennoch herrscht großteils gute Laune in der Stadt: Wer in der „Welthauptstadt der Eisbären“ leben kann, für den/die ist auch ein Jahrhundert-Blizzard kein Problem.

Mrz 12
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Natur

Es gibt sie noch, die Bisons… Tobi’s Roadtrip Teil 2 0

9 Uhr, Fort Nelson, bewölkter Himmel – Teil 2 des Roadtrips beginnt. Ziel unbekannt.
Schon kurz nach Fort Nelson die erste Werbeanzeige für Bisons auf dem Highway… da sind wir aber mal gespannt.
Bei meiner letzten Fahrt auf dem Alaska Highway hatte ich tatsächlich welche gesehen. Ob dies heute auch der Fall sein wird?

Lange Strecken auf dem Alaska Highway

Lange Strecken auf dem Alaska Highway

Vorsicht Bison - Hinweisschild auf dem Alaska Highway

Vorsicht Bison – Hinweisschild auf dem Alaska Highway

Der Highway ist frei. Anfangs noch etwas mit Schnee und Eis bedeckt, aber dies wurde nach und nach besser. Wie immer zu dieser Jahreszeit sind nicht sonderlich viele Autos unterwegs. Jedoch einige sehr schnell fahrende LKWs. Klar, wir in Whitehorse brauchen ja schließlich was zu essen :-).

Den ersten Pass (Passhoehe 1070 Meter) erreiche ich nach knapp einer Stunde. Die Sonne kämpft sich nach und nach durch die Wolken und sorgt dafür, dass dieser Tag ein ganz besonderer wird. Von hier oben hat man einen wunderbaren Ausblick auf die nordlichen Rocky Mountains.

Die nördlichen Rocky Mountains

Die nördlichen Rocky Mountains

Nach über zwei Stunden noch keine Bisons in Sicht, jedoch bin ich an Pferden auf der Koppel und an Wildpferden vorbeigefahren. Aber das war es dann auch schon. Zwischendurch macht sich eine Raben-Gang auf dem Highway breit, jedoch verschwinden die aus Sicherheitsgründen wenige Bruchteile von Sekunden, ehe ich diese passiere. Die Landschaften sind gigantisch. Der Teil des Alaska Highways, genau der von Fort Nelson nach Muncho Lake Provincial Park und noch weiter, ist einer der schönsten Abschnitte der 1942 erbauten Verbindung zwischen Dawson Creek (BC) und Delta Junction (AK).

Wundervolle Landschaften entlang des Alaska Highways

Wundervolle Landschaften entlang des Alaska Highways

Muncho Lake

Muncho Lake

Wundervolle Landschaften entlang des Alaska Highways

Wundervolle Landschaften entlang des Alaska Highways

Nach über 3,5 Stunden und zahlreichen Stopps, haben sich die in großer Anzahl existierenden Bisons immer noch nicht gezeigt. Überall große Hinweisschilder, riesen große Werbebanner für diese wunderbaren Tiere. Jedoch scheinen diese mit anderen Dingen beschäftigt zu sein, als sich am Straßenrand den noch nicht auf der Straße fahrenden Touristen zu zeigen.

Die Werbetrommel für die Bisons wird fleissig gerührt...

Die Werbetrommel für die Bisons wird fleissig gerührt…

Hinweisschild auf Bisons auf dem Alaska Highway

Hinweisschild auf Bisons auf dem Alaska Highway

Doch dann ist es soweit. Wenige Kilometer vor den Liard Hot Springs liegen einige der Tiere im Schnee und graben darunter nach etwas Gras. Sieht in der Sonne und der Liegeposition sehr gechillt aus. Ein Bus mit einer Gruppe junger Menschen aus Singapur , wie sich später herausstellt, hält nur wenige Minuten nach mir an der selben Stelle an. Endlich! Die Freude ist groß, da die Bisons zu den Tieren gehören, die ich sehr gerne beobachte.

Bisons beim chillen

Bisons beim chillen

Was für ein tolles Tier - Das Bison

Was für ein tolles Tier – Das Bison

Nach einigen Minuten ist der Bison-Hype dann vorbei und es geht weiter in Richtung Liard Hot Springs. Diese heissen Quellen sind aus meiner Sicht eine der absolut schönsten Hot Springs in Kanada. Ein 700 Meter langer Holzsteeg führt über ein Moor hinweg zu diesen naturbelassenen Quellen. Dort angekommen stellt sich mir schnell die Frage, wie ich bei – 20°C mich von meinen warmen Klamotten trennen, in die Badehose schlüpfen und dann ins Wasser gehen kann… Ist das kalt! So schnell war selten so viel ausgezogen und ich im warmen Wasser. Die Liard Hot Springs haben an der Quelle ca. 65°C. Bei einem Besuch im Sommer vor einigen Jahren konnte man nicht näher als 5-7 Meter an diese Quelle heran, da es einfach zu heiss war. Heute befinden sich einige Menschen inklusive mir keine 2 Meter davon weg. Es ist warm, sagen wir heiss, aber bei der Lufttemperatur ist das auch das Beste, was einem passieren kann. Ich unterhalte mich mit einigen der Badegäste, praktisch allen. Unter anderem kommt auch die Singapur-Gruppe, die eine solche heisse Quelle noch niemals gesehen haben, weder im Winter noch im Sommer. Zumindest muss man bei dem Geräuschpegel davon ausgehen.

Liard Hot Springs - die schönsten heissen Quellen in Kanada

Liard Hot Springs – die schönsten heissen Quellen in Kanada

Liard Hot Springs

Liard Hot Springs

Nach knapp 2 Stunden mache ich mich völlig aufgeweicht auf den Weg aus dem Wasser. Stopp! Was jetzt? Nass aus dem Wasser? Die Haare sind aufgrund der Kälte bereits weiss wie Schnee, was erwartet mich jetzt da draussen? So schnell wie ich ausgezogen war, bin ich abgetrocknet und angezogen. Den schwefeligen Geruch an meinem Körper nehme ich in Kauf, der darf bis zur nächsten Dusche bei mir bleiben.

Der Weg zu den Liard Hot Springs

Der Weg zu den Liard Hot Springs

Die Fahrt geht weiter Richtung Watson Lake. Nochmals ca 2,5 Stunden und 220 Kilometer bis zu einer möglichen Übernachtungs-Location. Noch immer sind wir im Bison-Gebiet. Sehe ich etwa noch mehr? Tatsächlich. Mehrmals halte ich an, bestaune und fotografiere die Tiere.

Kleine Herde Bisons am Straßenrand

Kleine Herde Bisons am Straßenrand

Wood Bison

Wood Bison

Dann kommt etwas, wovon jeder Tierfreund träumt. Eine Herde Bisons, ca. 120 Tiere nach meiner Zählung, sucht sich etwas zu essen am Straßenrand. Ich bin mitten drin (statt nur dabei). Wie bereits vor einigen Jahren stehen die Tiere keine zwei Meter von mir weg. Gemütlich schauen diese zu mir auf, lassen sich jedoch nicht beirren auf ihrer Suche nach etwas essbarem. Einige der großen Bisons kreuzen die Straße; ist das Gras auf der anderern Seite vielleicht grüner und schmackhafter?

Bisons am Alaska Highway

Bisons am Alaska Highway

Beeindruckendes Tier - Ein Bison am Straßenrand

Beeindruckendes Tier – Ein Bison am Straßenrand

Auf der weiteren Fahrt Richtung Watson Lake sehe ich immer wieder einzelne und kleinere Gruppen von Bisons. Unglaublich, wie viele Tiere es hier hat.
Um 6 Uhr am Abend erreiche ich Watson Lake. Was war da gleich nochmals? Richtig! Der berühmte Schilderwald, der Sign Post Forest. 1942 wurde dieser Schilderwald mehr oder weniger von einem GI der Amerikanischen Streitkräfte während des Baus des Alaska Highways. Er hatte die Aufgabe, einen bestehenden Wegweiser zu reparieren. Stattdessen bzw zusätzlich befestigte er an dem Wegweiser ein Schild, welches in seine Heimatstadt, Danville (Illinois) zeigte. Viele andere Menschen taten es ihm gleich und heute sind mehr als 100.000 Schilder aus der ganzen Welt in diesem Schilderpark zu sehen.

Sign Post Forst Watson Lake - Ein Schilderpark

Sign Post Forst Watson Lake – Ein Schilderpark

Schilderpark in Watson Lake - über 100.000 Schilder sind dort zu sehen

Schilderpark in Watson Lake – über 100.000 Schilder sind dort zu sehen

In Watson Lake, bereits wieder im Yukon angekommen, gönnte ich mir ein leckeres Abendessen. Dabei fiel die Entscheidung, die überbleibenden 465 Kilometer nach Whitehorse doch noch zu fahren. Die Dämmerung in vollem Gange hielt mich davon nicht ab. Der Highway war nahezu eisfrei auf diesem Teilabschnitt, was das Fahren einfacher machte. Jedoch musste ich auf straßenkreuzende Wildtiere aufpassen, wie beispielsweise die 2 Rehe, die sich mitten auf der Straße nicht entscheiden konnten, wohin ihr weg sie führen sollte. Das Schauspiel dauerte zwei Minuten, dann ging es weiter.

Nach wiederum ca. 1000 Kilometer Fahrt am zweiten und letzten Tag des Roadtrips, war ich dann gegen 11 Uhr in der Nacht zuhause in Whitehorse. Dieser zweite Tag war um ein vielfaches spannender, schöner und erlebnisreicher als Tag 1. Ich bin so unheimlich dankbar, dass ich das alles miterleben kann und darf. Es macht einen so unheimlich glücklich, diese Landschaften, Tiere, Naturschauspiele und Menschen zu sehen und kennenzulernen.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 4 Northwest Territories 0

Im vierten Teil unserer kleinen Serie über die Tiere und Pflanzen in den Flaggen und Wappen der kanadischen Provinzen und Territorien stellen wir euch die Northwest Territories vor. Das Territorium hat keinen Wahlspruch. Die Nordwest Territorien erstrecken sich über die riesige Fläche von 1.346.106 Quadratkilometern.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 4 Northwest Territories

Die Flagge der Northwest Territories.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 4 Northwest Territories

Das Wappen (Coat of Arms) der Northwest Territories.

Das Wappen der Northwest Territories zeigt im Wappenschild einen schräg rechts geteilten Wellenschnitt. Das Rot im Wappenschild steht für die Tundra im Norden, das Grün für den bewaldeten Süden. Die Trennlinie zeigt symbolisch die Baumgrenze. Goldbarren und Kopf des Polarfuches repräsentieren Bodenschätze und Pelze.
Das Schildhaupt stellt die Nordwestpassage dar Das Helmkleinod besteht aus einer Windrose, die von zwei Narwalen flankiert wird.

Die Tiere im Wappen sind der Polarfuchs und der Narwal.

Der Polarfuchs

Der Polarfuchs oder Eisfuchs (Vulpes lagopus, Syn.: Alopex lagopus) ist eine Fuchsart, die in der nördlichen Polarregion beheimatet ist. Der an den Pfoten dicht bepelzte „hasenfüßige“ Fuchs, wie sein wissenschaftlicher Name lautet, ist ein Fuchs, der nicht nur seinen Pelz im Sommer und Winter wechselt, sondern auch die Farbe. Im Sommer braun und im Tundragebiet perfekt getarnt ist der Polarfuchs im Winter mit seinem makellos weißen Fell fast unsichtbar. Das Sommerfell ähnelt sich bei allen Polarfüchsen, im Winter kristallisieren sich zwei Farbversionen heraus, das weiße und das blaue Winterfell. Die Farbschläge variieren je nach Wurf und geografischem Vorkommen.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 4 Northwest Territories

Ein Polarfuchs im Winterkleid.

In den kanadischen Polarregionen Nunavuts und den Northwest Territories dominieren die weißen Füchse, im Inland kommen lediglich ein Prozent Blaufüchse vor, an der Küste bis zu fünf Prozent der Population.

Der Polarfuchs hält sich nördlich der Waldgrenze auf. Er bevölkert neben Nordkanada und Alaska auch Nordrussland, Nordeuropa und Grönland. Polarfüchse sind sehr beweglich und legen weite Strecken zurück.
Wie die meisten Füchse sind Polarfüchse Beutegreifer und Allesfresser. Seine Hauptmahlzeit sind Lemminge, im Sommer auch brütende Vögel, deren Eier und Küken. Aber auch vor Beeren, Kadavern und in Notzeiten vor dem Kot anderer Tier macht der Lebenskünstler nicht halt.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 4 Northwest Territories

Ein schlafender, junger Polarfuchs im Sommerkleid.

Neben dem Polarwolf und dem Eisbären ist der größte Feind des Polarfuchses der Mensch, der ihn auch heute noch wegen seines dichten Felles jagt. Aber auch Krankheiten wie Tollwut und Parasiten wie der Fuchsbandwurm dezimieren das wunderschöne Tier.

Der Narwal

Der Narwal ist eine Art der Zahnwale. Mit dem Weißwal bildet er die Familie der Gründelwale. Charakteristisch für den Narwal ist der Stoßzahn. Ohne ihn mißt der Narwal vier bis fünf Meter, das männliche Tier wiegt bis zu 1,5 Tonnen, das weiblichen Tier weniger als eine Tonne. Narwale haben keine Finne, die Brustflossen sind kurz und die Fluke ist konvex gebogen. Narwale haben einen nur sehr kleinen und schmalen Mund.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 4 Northwest Territories

Eine Narwal-Schule aus der Luft gesehen.

Herausragendes Merkmal bei den Männchen ist der Stoßzahn, der sich aus einem oberen Eckzahn bildet und gegen den Uhrzeigersinn wachsend aus der Oberlippe herausbricht. Der Stoßzahn eines Narwales kann bis zu drei Meter lang und zehn Kilo schwer werden.

Narwale sind Säugetiere und damit Warmblüter. Gegen die Kälte der arktischen See, der Heimat der Tiere, schützt eine bis zu zehn Zentimeter dicke Speckschicht. Wie Belugas und andere Wale verständigen sich Narwale durch ihren Gesang. Ein Narwal kann bis zu 15 Minuten tauchen. Narwale halten sich stets in der Nähe von Packeis auf und ernähren sich dort von Fischarten, Tintenfische und Krebstiere, die sie mit Lippen und Zunge einsaugen.

Neben dem Mensch sind die Großen Schwertwale, die Orcas die größten Feinde der Narwal. Bis heute werden Narwale von den Inuit Grönlands und Kanadas, allerdings unter strengen Auflagen erlegt. Neben dem Fleisch werden auch die Stoßzähne verwertet.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 3 Manitoba 0

Im dritten Teil unserer kleinen Serie über die Tiere und Pflanzen in den Flaggen und Wappen der kanadischen Provinzen und Territorien stellen wir euch die Prärie-Provinz Manitoba vor. Der Wahlspruch der Provinz lautet: Gloriosus et Liber („Glorreich und frei“)

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 3 Manitoba

Die Flagge von Manitoba.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 3 Manitoba

Das Wappen (Coat of Arms) von Manitoba.

Das Wappen Manitobas zeigt im Schildhaupt das rote Georgskreuz als Symbol Englands. Der goldene Helm ist ein Symbol für die Souveränität Manitobas in der Kanadischen Konföderation. Das dreiteilige Postament, auf dem das Wapenschild steht zeigt von rechts nach links ein goldenes Weizenfeld, eine Wiese mit Kuhschellen und einen Nadelwald.

Die Tiere im Wappen sind der Bison und der Biber.

Der Bison

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 3 Manitoba

Der Präriebison.

Der Amerikanische Bison ist ein in Nordamerika vorkommendes Wildrind und zugleich das größte Landsäugetier der Region. Der Präriebison kommt in den Graslandschaften der nordamerikanischen Prärien vor, der Waldbison in Waldgegenden. Die Tiere sind Wiederkäuer, die Süß- und Sauergräser im langsamen Grasen aufnehmen.
Bisonkühe und Kälber leben in Herden bis zu 50 Tiere, die Bullen sind Einzelgänger oder leben in kleinen Gruppen. Nur in der Brunft zwischen Juli und August sind die Bullen bei den Kühen. Die Kälber kommen im April und Mai auf die Welt und werden nach der Geburt bis zu sechs Monaten gesäugt.

Vor Ankunft der europäischen Siedler grasten Millionen von Prärie- und Waldbisons in den Prärie- und Waldregionen Nordamerikas. Exzessive Bejagung, auch um den First Nations die Lebensgrundlage zu entziehen, brachten die Art an den Rand des Aussterbens.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 3 Manitoba

Das imposante Tier kommt heute in einer Population von etwa 30.000 Tieren wild vor. Die Art gilt weiterhin als gefährdet. Zuchtmaßnahmen sollen den Artenschutz erhalten. Das Bison wird auch zur Fleischgewinnung gezüchtet, das zarte Fleisch gewinnt auch in Europa zunehmend Fans.

Beim Bison gibt es einen großen Unterschied in Größe und Gewicht bei Bullen und Kühen. Während ein geschlechtsreifer Bulle 900 Kilogramm auf die Waage bringen kann, sind es bei den ausgewachsenen Kühen ein Gewicht zwischen 310 und 550 Kilogramm. Die Schulterhöhe liegt bei Bullen zwischen 1,67 und 1,86 Metern, bei Kühen zwischen 1,52 und 1,57 Metern.

Der Biber

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 3 Manitoba

Der Biber.

Biber sind hochentwickelte Säugetiere, sie sind nach den Capybaras die zweitgrößten lebenden Nagetiere der Erde.
Der Nordamerikanische Biber wird 90 bis 120 Zentimeter lang (einschließlich Schwanz), er erreicht dabei ein Gewicht von 17 bis 32 Kilogramm. Biber können in freier Wildbahn bis zu 12 Jahre alt werden.
Der Kanadische Biber ist auch heute noch weit verbreitet. Intensive Jagd konnte die Population nicht nachhaltig stören. Teilweise darf das Tier heute wieder mit Fallen bejagt werden.
Das ansonsten beliebte Tier kann in der Forstwirtschaft und am Rand von Kulturland Schäden durch das Benagen und Fällen von Bäumen anrichten, durch die aufgestauten Wasser an Biberburgen können Überschwemmungsschäden und Unterspülungen entstehen.

Weitere Tiere im Wappen Manitobas sind das Einhorn und der Schimmel als Schildhalter.

Auf dem Wappen zu finden ist die offizielle Blume der Provinz, die Kuhschelle.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 3 Manitoba

Die Kuhschelle, auch Küchenschelle genannt.

Die Kuhschelle oder Küchenschelle ist eine Pflanzengattung in der Familie der Hahnenfußgewächse. Wie alle Hahnenfußgewächse enthalten auch die Kuhschellen das sehr giftige Protoanemonin (Anemonol).

Der Frühjahrsblüher ist in Nordamerika und Eurasien beheimatet. Die hübsch blühenden Pflanzen sind ausdauernd krautige Pflanzen.

Die Wappentiere und Pflanzen der Provinzen und Territorien – Teil 3 Manitoba

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